Oh oh, Bahn kommst du?

Es stimmt mich nachdenklich, wenn ich immer wieder lese, dass der Bahnvorstand (egal ob der frühere, der jetzt Fluggesellschaften desorientiert, oder der aktuelle) vehement fordert, dass das Netz im Konzern bleibt. Denn siehe Grube, der Staat will Dir doch nur helfen. Du kriegst es ja nicht einmal hin, dass die richtigen Züge zur rechten Zeit am rechten Ort und mit dem korrekten, oder zumindest irgendeinem Personal bereitstehen.

Beließe man weiterhin das Netz in deiner Hand, so müsste man damit rechnen, dass künftig nicht nur Waggons, Züge, Lokführer und das Servicepersonal fehlen, sondern das möglicherweise auch Gleise oder ganze Bahnhöfe von der Landkarte verschwinden.

Wie dem auch sei, die Bahn bereitet sich darauf schon einmal vor und bietet ihren Kunden nun ein absolutes Novum an: Künftig können sich die Fahrgäste und Reisende* einen Newsletter schicken lassen, der sie über Baustellen und Verkehrsbeeinflussungen und Streckensperrungen zwischen 6 und 22 Uhr informiert. Dann weiß der Bahnfahrer endlich mehr als der Zugbegleiter an Bord.

Dennoch ist dieses Wissen dubios. Was hilft es mir, zu erfahren, dass der Zug, in dem ich gerade sitze, steht, weil die Strecke vor ihm gesperrt ist? Überhaupt müsste man zunächst einmal in die Lage versetzt werden, die E-Mail unterwegs auch zu empfangen, was Internet bzw. eine Mobilfunkverbindung im Zug voraussetzt. Das jedoch gehört noch zu den Zukunftsvisionen.

Einmal ganz deutlich formuliert: Ich will nicht wissen, warum der Zug nicht vorwärts kommt. Ich will wissen, wann er meinen Zielbahnhof erreicht und ich will erfahren, dass ich meinen Anschlusszug oder einen anderen Anschlusszug noch erreiche und ich will letztlich damit auch nur erfahren, wann ich schließlich mein Fahrtziel erreiche und sollte die Verspätung doch mal die Stunde überschreiten, will ich klare Informationen, eine noch viel deutlichere Entschuldigung und die Möglichkeit, komplikationslos eine entsprechende Kostenrückerstattung einzufordern. Vielleicht kann man bei Bedarf direkt an den Störungs-Newsletter ein Fahrgastrechteformular anhängen? Das wäre ein Novum.

Oder noch besser: Die Bahn machte endlich das, was sie vorgibt vorzuhaben, nämlich mobil und baut in ihre App ein Fahrgastrechteformular ein, das ich ausfülle, daraufhin einen QR-Code generiert, den ich dem Zugbegleiter vorlege und der das nur scannen muss, um a) damit die Verspätung zu bestätigen und b) damit den Antrag an das Kundenmanagement zu übertragen. Das ist aber pure Phantasie.

Mal sehen, was die DB mit ihrem neuen Facebook-Auftritt erreichen wird. Doch das ist eine andere Geschichte.

*Ein feiner Unterschied: Wer von Berlin-Hauptbahnhof nach Berlin-Spandau mit der S-Bahn oder einer Regionalbahn fährt, gilt als Fahrgast. Wer jedoch für die gleiche Strecke, den zwei Minuten schnelleren ICE oder einen IC nimmt, zählt schon zu den Reisenden. Da merkt man das tief verwurzelte Beamtenwesen.

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