Jugendschutz in Blogs

Ein Fieber grassiert in der Web-2.0-Welt: Das Stilllegungsfieber. Wer seinen Blog ohnehin in die Wüste schicken will, ist gut beraten dies jetzt und im faden Schein der dreuenden Verschärfung des JMStV zu vollziehen. Es kaschiert die eigene Unlust vortrefflich.

Gleich mehrere Blogs stellen ihren Dienst ein, weil sie horrende Ausgaben für etwaige Überprüfungen und Klassifizierungen fürchten. Zugegeben die Klassifizierung eines mehrere Jahre bestehenden, kräftig gefüllten Blogs ist extrem zeitraubend und mit Sicherheit alles andere als einfach. Allerdings will die FSM für private Webseitenbetreiber und Blogger ein kostenloses Tool zur Verfügung stellen, mit dem die Einstufung selbst durchgeführt werden kann.

Wer danebenliegt, darf noch einmal. Falsche Einstufungen sind laut Gesetzentwurf nur dann problematisch, wenn sie vorsätzlich geschehen. Stuft man sich dagegen ausversehen zu niedrig ein, kommt zumindest ein Bußgeld nicht in Frage. Zudem müsste eine falsche Einstufung auch von einer autorisierten Einrichtung nachgewiesen werden.

Problematischer ist dagegen die Benennung eines Jugendschutzbeauftragten. Die darf bei „geschäftsmäßigen“ Angeboten nicht fehlen. Welche Angebote darunterfallen ist jedoch nicht weiter definiert. Im schlimmsten Falle also alle Webseiten, die Werbung anzeigen, oder auch nur dazu dienen können, ein wie auch immer geartetes Geschäft anzubahnen.

Ich warte zunächst einmal ganz gelassen ab, was sich die Gesetzgebung dazu ausgedacht hat und wie es umgesetzt werden soll. Auf einer Ein-Mann-Seite neben dem Anbieter, dem Verantwortlichen im Sinne des Presserechts und dem Datenschutzbeauftragten auch noch einen Jugendschutzbeauftragten zu benennen, ist keine unlösbare Aufgabe, zumal an diese Person keine fachlichen Anforderungen gestellt werden.

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