Backlinks selber rauswerfen

[updated] Heute mal mit einer Märchenstunde: Man sagt, vor langer langer Zeit habe es verschiedene Möglichkeiten gegeben, eine Seite zu einem Keyword auf Platz eins in den SERPs zu bringen. Eine sei es gewesen, die jeweilige Page so lange zu optimieren, bis man Google überzeugt hatte. Eine andere, die meist parallel betrieben worden sein soll, zielte weniger auf die eigene Seite, als vielmehr auf die Seiten der Konkurrenten.

Nach dem Motto: Wenn keine andere starke Seite mit den Platz an der Sonne streitig macht, werde ich den Platz ganz von allein erhalten. Man musste also nur dafür sorgen, dass die Konkurrenzseiten, im Ranking an Boden verloren. Für diesen Zweck sollen sich Backlinks von PPP-Seiten in besonderer Weise geeignet haben. Aber auch alles andere unnatürlich aussehende erfüllte diesen Zweck.

Es war eine böse Welt. Wie gut, dass Google diese virtuelle Welt zu einem besseren Ort gemacht hat. 😉

Google hat nun das Disavow-Links-Tool  vorgestellt, mit dem man beispielsweise solche ungewollten Backlinks von seiner Seite entfernen kann. Oder halt auch Backlinks, die auf Google keinen besonders seriösen Eindruck machen. Google erklärt dazu:

„By removing the bad links directly, you’re helping to prevent Google (and other search engines) from taking action again in the future. You’re also helping to protect your site’s image, since people will no longer find spammy links pointing to your site on the web and jump to conclusions about your website or business.”

Ich bin da echt mal auf die “Leute” gespannt, die das Linkprofil meiner Seiten untersuchen und daraus Rückschlüsse auf mein Geschäft ziehen!  Die einzigen, die das notorisch machen sind für Google tätig.

Schlechten Linkaufbau korrigieren

In den FAQs präzisiert Google den Einsatzzweck des Tools noch ein bisschen: „A typical use case for this tool is if you’ve done link building that violates our quality guidelines, Google has sent you a warning about unnatural links, and despite your best efforts there are some links that you still can’t get taken down.” Allerdings warnt Google ausdrücklich davor, das Tool zu unbedacht einzusetzen.

Da bekommt man doch den Eindruck, dass es sich dabei um eine Art Anzeige-Tool oder Selbstanzeige-Tool handelt.  Btw: bing hat so ein Tool schon ein paar Monate länger, aber das „wirkt“ natürlich nur bei bing und nicht bei Google und ist aufgrund des geringen Marktanteils wohl auch eher zu vernachlässigen. Wer hat außerdem schon mal eine Message vom Webspam-Team bei bing bekommen?

Für Webseitenbetreiber ist es erst einmal praktisch, denn man muss in den Webmaster Tools nur eine entsprechend formatierte Datei hochladen. Und anschließend eine Überprüfung durch Google anfordern. Die Logik der Datei:

Wenn es eine ganze Domain betrifft :  „domain: spamdomain1.com“

Dabei werden Subdomains automatisch mit erfasst.

Wenn man mit dem amerikanischen Skalpell arbeiten will, ginge es auch mit dem konkreten Link zur Seite mit dem „bösen“ Link: „http://www.spamdomain2.com/spammycontentA.html“

Um wirklich sicher zu gehen, dass alle Varianten einer URL ausgeschlossen sind, sollten auch alle Domain/URL-Varianten mit Trailing Slash und ohne sowie beispielsweise mit index.html separat aufgeführt werden.

Die Datei darf maximal zwei MB groß werden. Da lassen sich schon einige Domains drin verklappen.

Aber Vorsicht: Bei den Domains sollten keine Fehler gemacht werden. Wer ausversehen einen „guten“ Backlink ausblendet, kann sich für einige Wochen aus den Suchergebnissen katapultieren. Denn Änderungen an der hochgeladenen Datei und damit an den in der Datei enthaltenen URLs können schon ein paar Wochen benötigen, bis sie sich auf alle Indizes auswirken.

Anzeige oder Selbstanzeige?

Man kann das Tool von mehreren Seiten betrachten. Für Seitenbetreiber, die im Rahmen von negative SEO mal einen Haufen unschöner Links verpasst bekamen, die sie anders nicht loswerden konnten, ist es vielleicht eine Lösung.

Für Seiten mit massivem und unausgewogenem Linkbuildingist es eine Option, aber keineswegs die beste. Wer hierfür das Disavow-Links-Tool nutzt, zeigt Google ja nun sehr direkt, dass er einen massiven nicht korrekten Linkaufbau betrieben hat und validiert damit Googles (algorithmische) Meinung zur eigenen Seite. Es ist eine Art der Selbstanzeige, lautet deshalb eine Meinung zum Thema.

Das ist nur bedingt zutreffend. Denn das Disavow-Links-Tool kann nur genutzt werden, wenn eine Seite bereits einen „blauen Brief“ von Google bekommen hat. Zudem prüft Google, ob neben dem Disavow-Links-Tool auch beanstandete Links auf anderen Wegen entfernt wurden. Ist das nicht der Fall, werden die Disavow-Wünsche nicht übernommen. Das hängt weniger mit dem Tool zusammen als viel mehr damit, dass man eine erneute Seitenprüfung mit dem Hinweis darauf, dass man mithilfe des Tools Links entfernen lassen will, beantragt. Dies kann erst 1-2 Tage nach dem Upload der Disavow-Links-Datei geschehen.

Google appelliert an die Seitenbetreiber schon seit Längerem, diese unnatürlichen Links abzubauen, auch ohne das Tool zu nutzen. Deshalb meine ich, das Google ohnehin die Reaktionen auf ihre Veröffentlichungen sehr genau erfasst und erfassen wird. Anhand der Analytics- und WMT-Daten kann Google sehr genau ermitteln, wann welche Links entfernt wurden. Das ist aber auch nur bedingt ein Problem. Google betreibt einen Streichelzoo und mag vor allem Seiten nicht, die auf Krawall aus sind und sich nicht so recht in die Google gegebene Ordnung einfügen lassen.

Wer schon einige Zeit mit Google zusammenarbeitet, weiß, dass es auch im Vergeben von Sünden sehr groß ist. Quasi ein freundlicher Ablass, fast ohne nachtragend zu sein. (von wenigen Ausnahmen mal abgesehen (PPP!))

Umsetzung der Änderungen durch das Disavow-Links-Tool

Der Ausschluss von Links erfolgt im Prinzip auf denkbar simple Weise. Nachdem Google die beantragten Änderungen akzeptiert hat, werden bestimmte Links vor den Algorithmen zur Seitenbewertung „verheimlicht“. Also im Prinzip eine Art Blacklisting für Links.

Soweit die gute Nachricht und jetzt die schlechte: Bis die Änderungen tatsächlich greifen, können unter Umständen Monate ins Land gehen. Erst müssen die Disavow-Daten gelesen, geprüft und genehmigt werden. Dann dauert es noch eine nicht genauer definierte Weile, bis sie in den Index eingepflegt werden. Und bis diese Änderungen an den Links in die verschiedenen Algorithmen eingeflossen sind werden nochmals ein paar Tage vergehen.

Rückschlüsse auf Linknetzwerke und Spammer

Aber wie geht Google dann mit den Links und Domains um, die es per Disavow-Link-Tool auf dem Silbertablett präsentiert bekommt? Es wird sicherlich die Eingaben von Millionen von Seitenbetreibern analysieren und abgleichen und erhält Aufschluss über Linknetzwerke, über den Linkaufbau zwischen Seiten und natürlich Indizien dafür, welche Domains und Seiten besonders intensiv spammen. Kurzum, es wird die Eingaben über das Tool wie eine Art Anzeige der Nutzer werten und in der Folge die entsprechenden Seiten stärker beobachten, abstrafen oder ignorieren.

Für diesen Punkt spricht meines Erachtens, dass Matt Cutts in einer Q&A-Session mit Danny Sullivan von searchengineland erklärt hat, dass dies noch nicht geplant ist. Da wird es immer problematisch, denn ein Unternehmen wie Google fängt sicherlich nicht an, Daten zu sammeln ohne eine Vorstellung davon zu haben, was sie damit anfangen könnten.

Aufräumen in den SERPs mal andersrum

Drehen wir den Spieß noch einmal um und kehren zum Anfang in den Konjunktiv zurück: In grauer Vorzeit soll es einmal möglich gewesen sein, Konkurrenzseiten mit „schlechten“ Links zu beschießen, auf das diese ihr Standing in den SERPs verloren, da ihr Backlink-Profil höchst unnatürlich wirkte. Mit dem Tool könnten sich Seitenbetreiber davor schützen.

Was wäre aber, würden nun verschiedene Seiten auf die Idee kommen und Links zu einer Seite per Disavow-Link-Tool an Google zu verpetzen? Bedingung dafür wäre natürlich, dass von der verpetzten Seite überhaupt mehrere Links auf die anderen Seiten verweisen.

An sich klingt diese These gar nicht schlecht, wäre aber sehr aufwändig in der Umsetzung. Zuerst müsste man die später zu entfernenden Links ja bekommen. Zugleich muss die Seite über „bad links“ verfügen, die Google beanstandet und erst dann kann man gute Links und böse Links im Disavow-Links-Tool „verwechseln“.  Bei nur einer Site spielt das noch keine Rolle, also müsste man dies mit mehreren Seiten machen, um überhaupt ein Signal zu setzen. Und selbst dann ist der Ausgang noch recht ungewiss. Oder um es mit Matt Cutts zu sagen: „Blackhats are normally lazy and don’t even get tot he „build a good site“ stage. :)“

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Comments
  1. Danke ViaS! Ich habe deine Anregung auch noch einmal aufgenommen und den Beitrag deutlich erweitert. Eingeflossen sind jetzt auch ein paar neuere Statements zum Tool von Googles WebSpam-Chief Matt Cutts.

  2. ViaS

    Erstmal vielen Dank für deine ausführliche Zusammenfassung! :)
    Das neue Tool mag ja eine sehr verlockende Möglichkeit für viele Seitenbetreiber sein, aber man sollte mit viel Vorsicht und Bedacht an die Sache heran gehen. Auch wenn jetzt eine Möglichkeit besteht, „böse“ Links per Mausklick zu entwerten, heißt es noch lange nicht, dass diese komplett entfernt werden. Die werden einfach auf „nofollow“ gesetzt. Wie Google damit umgeht ist ja wie auch immer ein großes Fragezeichen. Backlinks sind ja ohne Zweifel ein sehr wichtiger Rankingfaktor, aber nicht der einzig wichtige… Und ob das Tool zusätzlichen Schutz für Seitenbetreiben bietet, ist für mich auch keine Frage, die eindeutig beantwortet werden könnte :).